Bericht einer Wanderung auf dem Frankenweg im Sommer 2005

 

  1. Tag
    Anreise zum Ausgangspunkt unserer Wanderungen, nach Blankenstein in Thüringen. Die Ortschaft ist das Ende eines anderen berühmten Wanderweges, des Rennsteigs, den man Vater und ich im Vorjahr entlangwanderten. Gleichzeitig ist dieser Ort Anfangspunkt des Frankenweges.
    Es war ein Fehler an einem Freitag Mittag mit dem Zug zu fahren. Noch dazu ohne Reservierung. Der ICE nach Berlin, mit dem wir bis nach Saalfeld an der Saale fahren mussten, war völlig überfüllt. Wir standen die gesamte Fahrt über im Gang vor der Tür. In Saalfeld stiegen wir in eine Regionalbahn um, die uns zu dem Startpunkt unserer Wanderung brachte.
    Als ich letztes Jahr meinen Stein in die Selbitz warf, hätte ich nicht gedacht, daß ich jemals wieder nach Blankenstein zurückkehren würde. Nun bin ich wieder da, wegen des Frankenwegs.
    Eine Unterkunft war schnell in der Nähe des Bahnhofs gefunden. Nicht weit davon war auch der Startpunkt unserer Wanderung. Nämlich genau am Ende des Rennsteigs fanden wir die erste Wegmarkierung des Frankenwegs. Auch eine große Informationstafel klärte über den ersten Wegabschnitt auf. Da konnte es am nächsten Tag ohne Probleme losgehen
  1. Tag
    Als wir am frühen Morgen aufbrachen war der Himmel grau und bewölkt. Die Nacht über hatte es geregnet. Wir überquerten die Selbitz und folgten unserer Wegmarkierung. Die erste Sehenswürdigkeit des Frankenwegs ließen wir links liegen, da diese nicht direkt auf dem Wanderweg liegt. Dabei handelte es sich um einen Aussichtsturm, dem Wiedeturm.
    Es dauerte nicht lange, da hatten wir nicht nur blauweißen Boden unter unseren Füßen, sondern auch ebensolchen Himmel über unseren Köpfen. Der Aufenthalt in Bayern war aber nicht lange. Der Weg führte uns wieder zurück nach Thüringen. Ein Waldpfad brachte uns zum König David. Dies ist ein Aussichtspunkt, der nach einem Bergwerkstollen benannt ist, der sich am Fuße des Berges befindet. Von dort aus hat man einen schönen Überblick über das wildromantische Höllental. Ein steil nach unten führender Pfad geht zum Hirschsprung, dem Wahrzeichen des Höllentals. Wir folgten den dichtbewachsenden Pfad, doch führte dieser uns zu weit weg von unserem ursprünglichen Weg. Deswegen kehrten wir wieder um und stiegen ins Tal hinab nach Blechschmiedenhammer. Dort ist der Friedrich-Wilhelm-Stollen, eröffnet von Alexander von Humboldt, nach dem sogar ein Wanderweg in der Gegend benannt ist, das einzige Besucherbergwerk im Frankenwald.
    Nun ging es durch das malerische Höllental. Der Weg führt an einem Bach entlang durch den Wald. Vom Weg aus kann man weit oben die Skulptur eines Hirsches sehen, der die Stelle des Hirschsprungs markiert. Auf dem Weg befindet sich ein Lehrpfad über den Gesteinsabbau. Danach ging es auf einer Asphaltstraße und einem Feldweg bis zur Ortschaft Marxgrün. Dort führte uns ein Schotterweg bis zu einem Wildgehege nach Pechreuth. Die nächste Ortschaft war Naila, Endpunkt unserer heutigen Etappe.
    Der Frankenweg führt am Ortrand von Naila vorbei. Da wir im Ort übernachten wollten, mussten wir vom Weg abweichen. Am Ortseingang fanden wir keine Schlafmöglichkeit. Eine freundliche Passantin führte uns in den Ortskern zum Hotel „Grüner Baum“. Als wir vor dem Hotel uns ausruhten und ein Bier genossen kam ein Wanderer vorbei, dem wir bereits am Vorabend in Blankenstein gesehen hatten. Dieser kehrte ebenfalls in unser Hotel ein. Bei einem Rundgang durch Naila konnten wir keine besonderen Sehenswürdigkeiten ausmachen, fanden auch keine anderen Übernachtungsmöglichkeiten.
  1. Tag
    Es versprach ein schöner und warmer Tag zu werden. Dieses Versprechen wurde gehalten. Beim Frühstück unterhielten wir uns mit dem Wanderkameraden, der uns im Laufe des Tages häufiger über den Weg lief. Auch er folgte den Frankenweg.
    Es war ein langer Weg zurück auf dem Frankenweg. Anfangs folgte der Weg der Asphaltstraße. Feld- und Waldwege führten uns von der kaum befahrenden Straße weg zum Nailaner Ortsteil Culmitz, wo wir uns in einer Gaststätte eine erste Erfrischung gönnten. Danach ging der Weg hauptsächlich durch den Wald. Als wir vor Kleindöbra den Wald verließen konnten wir beobachten, wie ein Reh vor uns ins Dickicht flüchtete. Von dort aus ging es auf dem Döbraberg, mit 799 m der höchste Berg des Frankenwaldes, auch das Dach des Frankenwaldes genannt. Der Aufstieg auf dem Berg war unbeschwerlich. Auf dem Plateau befindet sich eine 18 m hoher Aussichtsturm. Doch die Aussicht wird von den vielen hohen Tannen getrübt.
    Von hier an ging es abwärts, ein kurzer Anstieg, dann weiter nach unten bis zur Bischofsmühle. Dort speisten wir eine Suppe. An diesem idyllischen Ort hätte ich den Rest des Tages bleiben können. Man sitzt bei draußen, die Sonne scheint und hört das naheliegende Bächlein rauschen. Ich möchte so gerne noch bleiben, aber der Wagen der rollt...
    Wir überquerten den Bach und gingen durch den Wald bis zu einem Holzwerk. Eine Wegsperre war wegen Waldarbeiten errichtet. Wir ignorierten diese aber und folgten den Frankenweg weiter. Die Stämme der Bäume, die eint hier standen, lagen sauber aufeinandergeschichtet am Wegrand. Nachdem wir das Sperrgebiet verlassen hatten ging es nur noch bergaufwärts, von einem kleinen Abstieg abgesehen. Wir waren glücklich, als wir den beschwerlichen Aufstieg hinter uns hatten. Die Mühe wurde aber auch belohnt: mit einem schönen Ausblick auf dem Döbraberg und seinen kleinen Brüder. Von dort aus war es nicht mehr weit zu einer kleinen Ansammlung von Häusern, die sich Elbersreuth nennt. Gleich das erste Haus am Ortseingang ist eine Pension, in der wir einkehrten. Unser Wanderkamerad und wir waren die einzigen Gäste in der Pension, neben der eine Berliner Fahne weht. Auch die Inneneinrichtung verrät den Geburtsort des Pensionsbetreibers. Mit dem Berliner und den anderen Wanderer erlebten wir einen unterhaltsamen Abend.
  1. Tag
    Wieder wurde es ein sonniger warmer Tag. In der Früh verließen wir die Pension, die ich wegen ihrer Inneneinrichtung „Klein-Berlin“ nannte. Überwiegend durch den Wald ging es bergauf und –ab. Die zahlreichen Steigungen lohnten mit einen schönen Ausblick. Von Reichenbach aus konnte man einen Blick auf dem zurückgelegten Weg werfen. Der Döbraberg und der andere „Hügel“, den wir am Vortag überwunden hatten wirkten schon sehr fern. Auch die zwei höchsten Berge Frankens, den Ochsenkopf und den Schneeberg, sahen wir von diesem Aussichtspunkt aus. Nach einigen Auf- und Abstiege über Wald- und Feldwege erreichten wir die Radspitze. Kurz vorher hatten wir einen schönen Blick auf die Gegend, durch die der Frankenweg den Wanderer noch führen wird. Bergiges Land erwartete den Ausflügler, unter anderem der aus dem Frankenlied bekannte Staffelberg.
    Auf der Reichsspitze gibt es einen Aussichtsturm. Aber ähnlich wie auf dem Döbraberg ist der Ausblick durch die hohen Bäume sehr eingeschränkt.
    Von nun an ging der Weg nur noch durch den Wald, größtenteils steil abwärts. Nach sechs Kilometern Plage erreichten wir das Etappenziel Zeyern.
    In Infrastruktur bei diesem Abschnitt war bislang die schlechteste. Außer in der Ortschaft Köstenschmölz gab es auf dem gesamten Weg keine Einkehrmöglichkeit. Allerdings hatte das dortige FWV-Wanderheim, als wir vorbeikamen, Ruhetag. Sonst gab es keine weitere Möglichkeit seine durstige Kehle zu erfrischen.
    Gleich am Ortseingang von Zeyern fanden wir drei Wandergesellen ein Hinweisschild auf einen Biergarten. Das Schild führte uns durch die gesamte Ortschaft, bis wir, mit heraushängender Zunge, dort ankamen. Allerdings wurden wir gleich wieder weggeschickt, da der Biergarten erst in einer Stunde öffnet. Wir bekamen schließlich in einer Bierstube etwas zum Trinken. Doch der alte Mann, der unsere Bestellung aufnahm, mokierte sich darüber, daß wir drei Leute drei verschiedene Getränke orderten und verschwand für lange Zeit. Wir befürchteten schon, daß der alte Tattergreis inzwischen verstorben sei, doch dann brachte er doch ganz langsam unsere Erfrischungen...
    Danach suchten wir unser schon am Morgen reserviertes Quartier auf, den Berggasthof. Leicht zu finden, da es überall im Ort Hinweisschilder gibt. Schwer zugänglich, da der Gasthof seinen Namen alle Ehre macht (außer über einen Schleichweg, aber von dem erfuhren wir erst später). Allerdings fanden wir dort gute preiswerte Zimmer und nette Wirtsleute vor.
  1. Tag
    Sommeranfang. Es sollte auch der wärmste Tag des Jahres werden. Wegen der Hitze und des häufig wechselnden Höhenwechsels änderten wir unsere Wanderpläne. Das heutige Etappenziel Kulmbach wurde unser neues Gesamtziel. Zwischenstation sollten wir nun in Weißenbrunn machen.
    Im Ort suchten wir wieder nach dem Anschluß zum Wanderweg. Steil bergauf (wer hätte was anderes erwartet?) ging es durch den Wald. Allerdings war die Steigung nicht so steil wie auf unserem Höhenprofil eingezeichnet. Ein Feldweg führte nach Unterrodach. Eine umgekippte Wandermarkierung wies uns aber den falschen Weg und wir fanden in Eigenregie ins Flößerdorf.
    Dort besichtigten wir das interessante Flößermuseum und erfrischten uns in einer Gaststätte. Schnell fanden wir unserem Wanderweg wieder, aber ebenso schnell hatten wir ihn wieder verloren. Auf gut Glück marschierten wir los, konnten aber keine Wegmarkierung mehr erkennen. Später fragten wir auf einem Bauernhof und bei zwei Spaziergängern nach dem Weg nach Kronach. Diese konnten uns weiterhelfen. Über den Kreuzweg, eine Darstellung des Leidenwegs Christi, erreichten wir die Kreisstadt. Dort trennte sich unser Wanderkamerad von uns. Er hatte sein Tagesziel erreicht. Für uns ging es weiter.
    Die mittelalterliche Kreisstadt Kronach ist die Geburtsstätte von Lucas Cranach d. Ä. Über der Drei-Flüße-Stadt thront die nie bezwungene Festung Rosenberg. Sehenswert ist auch das Gelände der Landesgartenschau von 2002.
    Wir suchten die Touristeninformation und fragten nach dem Weg zum Lucas-Cranach-Turm. Dort wollten wir wieder auf dem Frankenweg treffen. In einem Cafe erlaubten wir uns eine kurze Erfrischung  und setzten unsere Wanderung fort. Für kurze Zeit konnten wir in der Kronacher Altstadt unsere Markierung wiederfinden. Am Gelände der Landesgartenschau verloren wir die Markierung aber wieder. Von hier ab folgten wir der Auskunft des Fremdenverkehrsbüromitarbeiters. Nach einem Aufstieg durch den schattigen Wald erreichten wir den Aussichtsturm. Durch die Wirren des Tages recht lustlos und schlecht gelaunt geworden verzichteten wir auf die Aussicht und stiegen ins Dorf Weißenbrunn hinab.
    Dieses kleines Dorf im Frankenwald wurde bekannt durch eine Brauerei, Gambertbräu. Nahe am Dorfeingang bezogen wir in einem Hotel Quartier.
  1. Tag
    Der Himmel war bewölkt. Trotzdem schien die Sonne. Eine kühle Brise sorgte für ein angenehmes Wanderwetter. Wegen der Bewölkung gab es nur eingeschränkte Fernsicht. Später am Tag riß der Wolkenvorhang auf und es wurde noch ein schöner Sommertag.
    Der etwa 15 Kilometer lange Weg verlief größtenteils durch ebenerdig durch den Wald. Die wenigen Anstiege waren völlig untypisch für den bisher erlebten Wanderweg und angenehm zu gehen. An einem Wegweiser, 14 km von Kulmbach entfernt, hängten wir die Wanderschuhe meines Vaters auf. Unterwegs stellte er fest, daß er in seinen Turnschuhen bequemer lief, deswegen entledigten wir uns seinen Wanderschuhe auf dieser Weise.
    Auf einem Feldweg sahen wir zwei Hasen. Diese flüchteten vor uns. Einer sprang nach rechts den Hang hinunter, der andere sprang links ins Getreidefeld. Wenn dieser sprang, konnte man noch seine Ohren aus dem Feld herausragen sehen.
    Innerhalb weniger Stunden erreichten wir Kulmbach. Dort besichtigten wir das Wahrzeichen der Stadt, die Plassenburg. Die Festung beheimatet das oberfränkische Heimat- und Zinnfigurenmuseum. Nachdem wir der örtlichen Brauerei Tribut zollten, suchten wir den Bahnhof auf, um nach der sechstägigen Wanderung wieder nachhause zu fahren.

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